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Interview: Joost Demarest über die Bedeutung des IoT für die KNX-Community

In diesem exklusiven Interview mit KNXtoday erklärt Joost Demarest, CFO und CTO der KNX-Association, was das IoT für die weltweite KNX-Community bedeutet, wie die KNX-Association die Entwicklung in diesem Bereich vorantreibt und was wir als nächstes erwarten können.

KNXtoday: Was verstehen Sie unter dem IoT – was ist sein Zweck?

JD: Das Internet der Dinge ist eine vernetzte Welt, die sich nicht auf Geräte wie PCs, Tablets und Mobiltelefone beschränkt, sondern mit allen auf diesem Planeten vorstellbaren ‚Dingen‘ verbunden ist. In Bezug auf die Automatisierung geht es also um jeden einzelnen Sensor und Aktor, der in Wohnungen und Gebäuden kommuniziert. Meiner Meinung nach war KNX schon bei den allerersten Installationen immer in der Lage, ‚Intranets der Dinge‘ zu schaffen. Seit 2007 werden diese Intranets mithilfe von KNXnet/IP mit dem Internet der Dinge verknüpft. Mit KNX IoT können wir nun zusätzliche Möglichkeiten schaffen, um KNX zu einem Teil des IoT zu machen.

KNXtoday: Warum ist das IoT so wichtig für die KNX-Community – was können wir damit derzeit tun?

JD: Das IoT ist eine Win-Win-Situation: KNX kann Teil des IoT werden und ihm Daten liefern, während das IoT wiederum Daten an KNX leiten kann. Im letzteren Fall ist es durchaus möglich, dass diese Daten niemals in einer KNX-Variante bereitgestellt werden. Keiner unserer Hersteller wird zum Beispiel in die Entwicklung eines eigenen Dienstes für die Wettervorhersage investieren. KNX-Hersteller können Wetterstationen herstellen, die aktuelle Wetterdaten liefern, würden sich aber z. B. für die Vorhersage der Energieproduktion auf einen Kundenenergiemanager (Customer Energy Manager, CEM) in der KNX-Anlage auf bereits bestehende Wettervorhersagedienste im Internet verlassen. Auf diese Weise verfügt der mit KNX und dem IoT verbundene CEM über alle möglichen Daten zur Optimierung des Energieverbrauchs.

KNXtoday: Was wird uns das IoT in Zukunft ermöglichen – wohin wird die Reise Ihrer Meinung nach gehen?

JD: Wir können uns unmöglich alle potenziellen Anwendungsfälle vorstellen, die im Internet der Dinge verwirklicht werden könnten, so wie wir uns vor 30 Jahren das Potenzial des Internets, wie es heute existiert, nicht vorstellen konnten. Wir können jedoch sagen, dass eine realisierte IoT-Anwendung von der Tatsache profitieren wird, dass ihr Nachbarprodukt Daten erzeugt, die in Kombination mit den eigenen Daten nützlich sein können, so wie das Internet heute alle Daten nutzen kann, die im Internet, in Wohnhäusern und Gebäuden vorhanden sind. Mit Hilfe von Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz könnten Anwendungen auf der Grundlage dieser Daten realisiert werden, ohne dass die Produkte in einer Anlage direkt miteinander kommunizieren müssen, auch wenn die grundlegenden Funktionen in Gebäuden immer noch von geschulten Integratoren verknüpft werden müssen.

KNXtoday: Was sind die Voraussetzungen für ein Gebäudeleitsystem zur Nutzung des IoT?

JD: Damit ein Gebäudeleitsystem Teil des IoT sein kann, muss es in der Lage sein, Daten nicht auf seine eigene exotische Art und Weise zu liefern, sondern in einer Form, die von IT-Systemen, d. h. Maschinen, leicht verwertbar ist. Es muss über Protokolle zugänglich sein, die von der Internet Engineering Task Force entworfen wurden, auch wenn innerhalb des Gebäudeleitsystems ein proprietäres Protokoll verwendet wird. Wenn man das mit gesprochenen Sprachen vergleichen würde, wäre das so, als ob man innerhalb eines Ökosystems eine bestimmte Sprache sprechen könnte, aber wenn man mit dem IoT spricht, muss man Englisch sprechen.

KNXtoday: Was hat die KNX-Association getan, um sicherzustellen, dass das KNX-System das IoT vollständig einbeziehen kann?

JD: KNX und seine Mitglieder haben viel in die Entwicklung besserer Integrationsmöglichkeiten in das IoT investiert, was als KNX-IoT bezeichnet wird.

Einerseits haben sie sich auf eine herstellerunabhängige RESTful Web Service API für klassische KNX-Geräte geeinigt, die sogenannte 3rd Party API. Da dies nun standardisiert ist, können andere Parteien – auch Nicht-KNX-Mitglieder – nun viel schneller Clients entwickeln, die sich mit API-Servern von Drittanbietern verschiedener Hersteller verbinden, die durch eine Zertifizierung einen Mindestdatensatz anbieten müssen.

Andererseits haben sie sich bereit erklärt, den KNX-Herstellern mehr Möglichkeiten zu bieten, IPv6-konforme Übertragungsmedien wie Wi-Fi, LAN oder Thread-Netzwerke zu nutzen. Auf diese Weise kann eine KNX-Anlage weiterhin aus KNX TP (Twisted Pair) und KNX RF (Radio Frequency) Produkten bestehen, aber jetzt auch Thread-basierte Geräte enthalten, die KNX sprechen und von der ETS konfigurierbar sind. Diese werden als KNX-Point-API-Geräte bezeichnet.

KNXtoday: Wie geht es mit der Umsetzung voran?

JD: Die Spezifikationen der 3rd Party API wurden bereits in einer ersten Version veröffentlicht, und einige Hersteller haben sie bereits in realen Produkten verwendet. Die zweite Version steht kurz vor der Fertigstellung mit einem entsprechenden Konzeptnachweis, das von KNX entwickelt wurde. Alles ist für potenzielle Server- und Client-Entwickler über schema.knx.org verfügbar.

Die Point-API-Spezifikationen befinden sich ebenfalls in der letzten Entwicklungsphase; die letzten verbleibenden Kommentare aus der internen Abstimmung über die Spezifikationen werden aktuell geklärt. Zusammen mit einem Subunternehmer entwickelt KNX den ersten Open-Source-Stack für diese Art von Produkten, der bald auch für KNX-Mitglieder verfügbar sein wird.

KNXtoday: Welche zukünftigen Entwicklungen können wir von der KNX-Association erwarten?

JD: Alles, was von KNX entwickelt wird, braucht Unterstützung in der ETS. Damit die API-Gateways von Drittanbietern den ‚Dingen‘, die auf die Daten zugreifen, nützliche und interpretierbare Daten bieten können, wäre es von Vorteil, wenn die Produktdaten der Hersteller mehr Semantik (Hilfe zum Verständnis der Bedeutung der Daten) enthalten würden. Dazu muss KNX den Herstellern die Möglichkeit bieten, ihre Produktdaten mit Hilfe des ETS-Hersteller-Tools zu erweitern, und diese Daten müssen zu 3rd-Party-API-Servern exportierbar sein.

Außerdem wird in der ETS Unterstützung für Point-API-Geräte benötigt, sodass ein Installateur ein solches Gerät einfach an eine IP-Leitung im ETS-Topologiefenster anschließen und es wie jedes andere KNX-Gerät konfigurieren/herunterladen kann.

KNXtoday: Warum ist KNX-IoT der richtige Weg?

JD: Die obigen Ausführungen zeigen, dass KNX seine Technologie ständig erweitert und immer weiter ausbaut, anstatt immer wieder bei Null anzufangen. Das bietet enorme Vorteile für alle, die in KNX investieren: eine Anlage mit dem allerersten EIB-Produkt aus den neunziger Jahren wird als nächstes mit einem KNX-Point-API-Gerät erweiterbar sein. Welche andere Technologie bietet solche Möglichkeiten?

Joost Demarest ist CFO und CTO der KNX-Association, dem Erfinder und Eigentümer von KNX-Technologie – dem weltweiten Standard für alle Anwendungen der Heim- und Gebäudesystemtechnik.

www.knx.org

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